Auf der Kleiderstange herrscht Anarchie

Größen verwirren Verbraucher

Die Jeans hat Größe 28. Auf dem Etikett des T-Shirts steht XS und auf der Strumpfhose 36. Eine Frau, die diese drei Kleidungsstücke gleichzeitig trägt, muß keineswegs eine Problemfigur haben. Denn in der Bekleidungsbranche herrscht eine Größen-Vielfalt, die den einfachen Kauf einer Hose leicht zum nervenaufreibenden Abenteuer ausarten läßt. Eine deutsche 36 ist in Italien eine 40; in Frankreich entspricht sie in den meisten Fällen Größe 38. Jeans- und Sportswear- Hersteller folgen ohnehin eigenen Gesetzen. Vorstöße, zur Einführung einer weltweit gültigen Maßtabelle, sind immer wieder gescheitert. Die Internationale Normenorganisation (ISO) in Genf konnte die Mode-Industrie bisher nicht davon überzeugen, daß ihr 1991 verabschiedetes «Standard-Größensystem für Kleidung» die modischen Bedürfnisse eines übergewichtigen Kalifornier ebenso berücksichtigt, wie die einer zierlichen Chinesin. Das ISO-System ist geschlechtsneutral und nimmt den Brustumfang als Ausgangsbasis. Vor allem Hersteller und Händler aus den großen Mode-Nationen Frankreich und Italien stellten sich quer. Für einige von ihnen ging es schlicht darum, die unterschiedlichen Größen als Schutzwall gegen unerwünschte ausländische Konkurrenz zu erhalten. Der US- Modeindustrie geht vor allem die von ISO verlangte Umstellung der Größen-Intervalle von Inches auf Zentimeter gegen den Strich. Ein Arbeitsgruppe der europäischen Bekleidungsindustrie hat sich deshalb nun darauf geeinigt, wenigstens für Europa eine einheitliche Größentabelle einzuführen, die auf den Prinzipien der ISO-Norm beruht.

Bürokleidung richtig wählen

Klamotten machen Karriere

Eigentlich ging es Gerhard Schröder sehr gut: Er hatte einen interessanten neuen Job mit passablem Einkommen. Sein Auftreten war selbstbewusst und die Kleidung elegant. Kurzum: Ihm war der Erfolg anzusehen. Dann ließ er sich für ein Lifestyle-Magazin fotografieren. Den Spitznamen "Kaschmir-Kanzler" ist Gerhard Schröder bis heute nicht losgeworden.

Der Ex-Bundeskanzler hat gegen eine ungeschriebene Kleiderordnung im Berufsleben verstoßen. Dezenter Individualismus ist in Ordnung und gehört zum Lebensstil, aber Übertreibungen werden zum Bumerang. Die Auswahl der Kleidung, die im Büro getragen wird, soll bewusst getroffen werden. Jeder zeigt durch die Art seiner Kleidung, wo er gesellschaftlich angesiedelt sein möchte. Und das funktioniert auch anders herum: Wer bei einer Bank sein Geld anlegen möchte, vertraue wohl eher einem Herrn im dunkelblauen Anzug als einem Goldkettchen-Träger im T-Shirt und mit Tätowierung.

Wer andere managen will, zeigen muss, dass er sich selbst managen kann. Und das wird am besten durch Stilsicherheit bei der Kleiderwahl bewiesen. Dabei ist weniger bekanntermaßen mehr.

Was schlicht und elegant ist, darauf suchen Farb- & Typberater tagtäglich eine Antwort. Eine Beratung beginnt mit einer Farbanalyse, dabei wird aus über 50 Farbtüchern die Farbe ausgewählt, die zum Kunden passt. Das Tragen des falschen Farbtons sollte nicht unterschätzt werden: Im Extremfall können Leute gerade erholt aus dem Urlaub kommen und die Kollegen fragen: ,Bist du krank?'.

Im zweiten Schritt werden die Problemzonen der Kandidaten gesucht. Dann wird entschieden, was betont und was kaschiert werden soll. Dabei gibt es eine Grundregel: Die Blicke sollen ins Gesicht geleitet werden. Je mehr das Gegenüber durch die Farbe der Schuhe abgelenkt wird, desto größer ist die Verwirrung. Für das Geschäftsleben gilt außerdem, nie mehr als drei Farben und zwei Muster gleichzeitig zu tragen.

Ein Anzug kleidet nicht alle gleichermaßen gut. Schlanken Männern über 1,75 Meter Größe stehen zweireihige Anzüge gut. Korpulente Herren sehen darin eher aus wie umher wandelnde Schränke. Wer kleiner sei, soll dagegen bei Jacketts ganz auf Zweireiher verzichten und nur Einreiher mit Knöpfen in der gleichen Farbe tragen.

Frauen können ebenfalls durch den Einsatz modischer Tricks ihre Wirkung verbessern: Wer im Verhältnis zum Oberkörper kurze Beine habe, sollte keine langen Blazer tragen, rät Röcken. Endet der Blazer kurz unter oder über dem Schritt, wirken die Beine länger. Die optimale Rocklänge kann mit einem Kniff gefunden werden.

Dazu steigt man in die Schuhe mit der bevorzugten Absatzhöhe und stellt sich mit einer Zeitung vor einen Spiegel. Die Zeitung kann wie ein Rocksaum rauf- und runter geschoben werden, bis die Beine am schlanksten erscheinen.

Bei der Anschaffung der Garderobe ist es ratsam, das meiste Geld für die Kleidung auszugeben, in der man sein Geld verdient. Das entspreche einem Verhältnis von rund 80 Prozent für berufliche Kleidung, 15 Prozent für die Freizeit und fünf Prozent fürs Festliche.

Wer gezielt eine Karriere ansteuert, soll immer eine Spur besser angezogen sein als die Kollegen, aber nicht besser als Chef oder Chefin.

Das Schuhwerk darf bei den modischen Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden. Die US-Amerikaner Hal Rubenstein und Jim Müllen haben in ihrem Buch "Auf den Schlips getreten" eine internationale Marotte von Männern enthüllt:

"Sie kaufen Schuhe erst, wenn sie welche brauchen und laufen sie völlig durch." Wer in abgelatschten, schmutzigen oder unpassenden Schuhen über den Büroflur schlurft, sollte bedenken: Schuhe können eine Garderobe abrunden oder zerstören. Frauen müssen bei der Wahl ihrer Schuhe fürs Büro gleich eine ganze Liste von Regeln bedenken: Die Schuhe dürfen nicht zu hoch, nicht zu spitz, nicht knallrot, nicht golden oder silber sein."

Außerdem sollen sie keine metallüberzogenen Absätze oder Kreppsohlen haben. Verpönt seien zudem weiße Schuhe und "Joggingtreter".

Deutsche sind Farbmuffel

Die Deutschen sind ein Volk von Farbmuffeln. Farbangst ist typisch deutsch. Viele haben Angst, sich bunt zu kleiden oder einzurichten.

Noch immer dominierten auf Designer-Schauen schwarze Anzüge und in Wohnzimmern Grau, Weiß und Schwarztöne. Die Farben verraten etwas über die Gefühle der Menschen.

Nicht jeder hat den Mut, mit Kleidung und Möbeln Zeichen zu setzen. Auf großen Konferenzen ist man mit einem roten Kostüm eine Leuchtboje. Das traut sich nicht jeder. Auch viele Designer haben ein gestörtes Verhältnis zur Farbe. Beeinflusst vom Funktionalismus, bei dem die technische Funktion im Mittelpunkt steht, schwören die Deutschen auf Schlichtheit und Nützlichkeit und haben den Pinsel in den Tuschkasten verbannt. In anderen Kulturen hat Farbe eine ganz andere Tradition. So heirateten Chinesen in rot, Inder hüllten sich in leuchtende Saris.

Wer von tristem Grau in Grau genug habe, soll beim Einkauf einfach mal die gesamte Farbpalette ausnutzen. Schließlich laufen 80 Prozent der menschlichen Wahrnehmung über das Auge. Wir reagieren auf Farbe. Der richtige Umgang kann trainiert werden.

6 Modetypen

Die Branche hat es mit sechs Modetypen zu tun

Aufgrund ihrer Antworten zu über 30 Einstellungen haben die Brigitte-Forscher die Frauen zu sechs Modetypen zusammengefasst. Entscheidend für die Zuordnung der insgesamt 25,66 Mill. 14- bis 64-jährigen Frauen sind dabei deren Einstellungen zu den folgenden sieben Faktoren:

* Markenorientierung
* Qualitätsorientierung
* Preisorientierung
* Lustorientierung
* Trendorientierung
* Beratungsorientierung
* Orientierungslosigkeit.



Nachfolgend jetzt eine Kurzbeschreibung der sechs Modetypen.

Die Markenbewusste

20 % bzw. 5,26 Mill.: Das ist die Traumkundin der Modebranche. Sie zählt zu den "Early Fashion Adapters", zu denjenigen, die jeden Modetrend zuerst aufgreifen. Sie liebt es, neue Kleidung zu kaufen. Marken spielen eine ganz wichtige Rolle. Vor allem dieaktuellen "In-Marken". Und sie ist vielen Marken auch lange treu. Auf gute Qualitäten achtet sie ebenfalls stark. Die Konsequenz: Kein anderer Modetyp gibt mehr Geld für Kleidung aus als die "Markenbewusste". Sie ist die am häufigsten anzutreffende Kundin sowohl in Mono-markenstores als auch in Boutiquen. Auch haben viele der "Markenbewussten" ein Faible für Factory Outlets. Die Einstellung, dass Mode vor allem praktisch und bequem zu sein hat (was im Schnitt 44 % aller Frauen sagen), teilt die "Markenbewusste" überhaupt nicht. Mode muss ihr gefallen, muss sie faszinieren und begeistern können. Im Vergleich zu den anderen Modetypen finden sich hier überproportional viel jüngere und ledige Frauen aus Haushalten mit höheren Einkommen. Und: Das Gros der "Markenbewussten" passt (noch) problemlos in Größe 36 und 38.

Die Preisbewusste

17 % bzw. 4,26 Mill.: Ganz anders sieht es beim Typ der "Preisbewussten" aus. Nicht nur, dass sie Kleider der Größe 36 oder 38 links liegen lassen. Figurbetonte Kleidung ist nicht ihr Ding. Sie schaut auch nicht aufs Label. Das spielt bei ihnen gar keine Rolle. Mode muss vor allem günstig, praktisch und bequem sein. Rund 90 % schlagen vor allem im Schlussverkauf und in der Saison bei sonstigen Sonderangeboten zu. Insofern überrascht es auch nicht: Die Lust am Modekauf ist bei der "Preisbewussten" nur schwach ausgeprägt. Auf Beratung verzichtet dieser Modetyp gerne. Da überrascht nicht: Die "Preisbewusste" kauft überdurchschnittlich häufig ihre Kleidung per Katalog oder im Verbrauchermarkt:

Die Pragmatikerin

17 % bzw. 4,36 Mill.: Auch bei diesem Typ spielen Mode und Marken nicht so große Rollen. Über Mode redet die Pragmatikerin nicht. Neue Modetrends interessieren sie nicht. Marken sind unwichtig. Auf Qualität achtet sie zwar, weswegen sie auch nicht ganz so häufig wie die "Preisbewusste" im Schlussverkauf anzutreffen ist. Dafür sucht sie dann während der Saison stark nach Sonderangeboten. Viel Geld für Mode gibt keine von ihnen aus. Spontan lässt sie sich auch kaum zum Kauf verführen. Naturmaterialien stehen bei ihr hoch im Kurs. In Monomarkenläden ist sie selten anzutreffen. Recht häufig greift sie allerdings auf das textile Angebot der SB-Warenhäuser zurück.

Die Qualitätsbewusste

16 % bzw. 4,08 Mill.: Dieser Frauentyp weiß die Vorteile von Marken zwar zu schätzen ("die erleichtern das Kombinieren") - aber letztendlich ist die Marke auch bei ihr nur ein nachrangiges Kaufkriterium. Entscheidend ist vor allem die Qualität. Über Mode informiert sie sich häufig aus Frauenzeitschriften. Und sie vertraut gern auf eine gute Beratung. Kein anderer Frauentyp schätzt Beratung so sehr wie die "Qualitätsbewusste". Da überrascht es dann doch, dass sie neben dem Fachhandel auch sehr stark die weniger beratungsintensiven Vertriebsformen zum Modekauf nutzt. Sogar in den SB-Warenhäusem wird sie öfters fündig. Am häufigsten anzutreffen ist dieser Modetyp bei den 30- bis 49-jährigen Frauen.

Die Selbstbewusste.

16 % bzw. 4,08 Mill.: In Bezug auf Alter, Einkommen, Familienstand, Bildung etc. ist dieser Frauentyp total durchschnittlich. Beim Blick auf ihr Kaufverhalten von Mode fällt sie dann aber aus dem Rahmen. Denn: Über Mode redet die "Selbstbewusste" nur wenig, sie informiert sich auch kaum über Modetrends in Frauenzeitschriften, der Besitz von "In-Marken" ist ihr egal, Marken sind generell nicht so wichtig, auffallen will sie mit ihrer Kleidung auch nicht. Aber gleichzeitig macht ihr der Kauf von Kleidung Spaß! Meist greift sie dabei spontan zu. Und wenn sie sich in ein Kleidungsstück verliebt hat, dann ist ihr der Preis auch egal. Zudem achtet kein anderer Modetyp so wenig auf Sonderangebote oder ist so selten im Schlussverkauf anzutreffen. Also: Ein richtig spontaner und selbstbewusster Typ jenseits der gängigen Normen.

Die Indifferente

14 % bzw. 3,48 Mill.: Dahinter verbirgt sich ein für die Modebranche interessanter Frauentyp. Mode ist dieser Frau sehr wichtig. Marken ebenfalls. Sie liebt es "In-Marken" zu tragen und ist bestimmten Marken auch längere Zeit treu. Über Mode redet sie gerne. Infos holt sie sich häufig aus Frauenzeitschriften. Doch oder auch vielleicht gerade wegen ihres Faibles für Fashion blickt sie bei der Mode oft gar nicht mehr durch. Da kommt zu viel Neues auf den Markt. Und die Entscheidung, was sie denn jetzt tragen soll, fällt ihr schwer. Da ist sie unsicher. Das bereitet ihr Probleme. Als Folge braucht sie häufiger als jeder andere Modetyp jemanden, der ihr sagt, was ihr steht und was nicht. Gute Beratung weiß die "Indifferente" also zu schätzen. Noch häufiger nimmt sie aber eine Freundin als Beraterin mit zum Modeshopping. Mit diesen sechs Modetypen hat es die Branche also zu tun. Ein direkter Vergleich mit der Typologie von vor zwei Jahren ist aus methodischen Gründen nicht möglich.

Tendenziell zeigt sich aber, dass die Mode ihren sowieso hohen Stellenwert bei den Frauen nicht nur gehalten hat, sondern dass Frauen sich heute noch mehr mit dem Thema Fashion beschäftigen. Der Wermutstropfen ist aber: Die Frauen schauen zwar mehr auf die Mode, sie schauen aber gleichzeitig auch immer mehr auf die Preise. Die Zahl der Schnäppchenjäger nimmt kontinuierlich zu. Das Geschäft mit der Mode ist nicht einfacher geworden.

Handtaschen

Die Handtasche als wichtiges Accessoire

Margaret Thatcher nannte sie «ihren treuesten Gefährten», und auch die Queen hält sich konsequent an den Grundsatz der Damen von Welt: «Not without my handbag.» Ohne das nur wenige Quadratzentimeter große Behältnis aus Leder, Lack oder Textil setzt die stilbewusste Frau keinen Fuß vor die Tür.

Schließlich enthält die Handtasche im wesentlichen alles, was ihre Existenz bestimmt. Puderdose, Lippenstift, Foto von Mann, Kindern oder Freund, Geld und Ausweis, Schlüssel, Mobiltelefon, Ersatzstrumpfhose, Adressbuch, Handspiegel, Glücksbringer - Claudia Schiffer hat angeblich außerdem immer noch einen Schraubenzieher dabei.

Die Handtasche ist wie ein Notfallkoffer - Allerdings entpuppt sich das vermeintliche «Survival-Kit» im Ernstfall oft als schwarzes Loch, in dem das dringend benötigte Objekt unauffindbar verschwunden ist. Mit dem berüchtigten «Rührgriff» wird dann verbissen der Türschlüssel gesucht, während die andere Hand, überlastet von dem Gewicht mehrerer Einkaufstüten, allmählich den Dienst zu versagen droht.

Zu einer Handtasche, die sich jedweder Übersichtlichkeit zu verweigern scheint, gehört meist eine ausgesprochen lässige Besitzerin. Das ist wohl eine Charaktersache, so wie die Ablage im Büro - da gibt es auch aufgeräumte und unordentliche Varianten.

Doch Ordnung ist bei Handtaschen nicht nur eine Frage des Willens, sondern auch des Modells. Heute gibt es wirklich gute Inneneinteilungen. Eine Tasche von Qualität hat zwei Innentaschen mit jeweils einem Reißverschlussfach. Außen können dann noch Seitenklappfächer sein. Wer heute also immer noch verzweifelt nach dem klingelnden Handy kramt, ist möglicherweise einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Eingearbeitete passgenaue Handyfächer sind längst nicht mehr nur den teuren Marken vorbehalten.

Bleibt die Frage, weshalb «sie» überhaupt ein Täschchen benötigt, während «er» sich stets mit souveränen Griff in die Reverstasche rettet. Männer haben eben keinen Busen unter dem Revers. Selbst wenn Damen-Blazer Innentaschen hätten, würde es ziemlich stören, darin etwas unterzubringen. Und in passgenauen Hosen oder Kostümröckchen macht sich der Hausschlüssel auch nicht sehr gut.

Doch selbst wenn Frauen an irgendeiner Stelle ihres Körpers eine dicke Brieftasche locker unterbringen würden, bleibt die Frage, ob sie ohne Anstandstasche modisch überhaupt komplett wären. Der Mythos Dame mit Handtasche und Glacéhandschuhen ist bestimmt vorbei. Der Umgang mit der Handtasche ist viel legerer geworden.

Zu offiziellen Anlässen wie Hochzeit, Taufe oder Theaterbesuch ist die Handtasche allerdings weiterhin nicht nur aus modischen Gründen angesagt. Aber auch hier hat sich die Etikette gelockert. Eine leger auftretende Frau kann auch mal ohne Tasche in die Oper gehen und stattdessen nur das Programmheft in der Hand halten.

Wer auf gehobenem Parkett mithalten möchte, sollte allerdings einige Regeln beherzigen: Im Restaurant oder auch als Gast bei einem gesetzten Essen, sollte frau sich etwa nur in Begleitung einer Handtasche in Richtung Toilette bewegen. Damit schützt sie vor, nur ihre Nase zu pudern - natürlich hat die Dame von Welt keine unappetitlichen Körperfunktionen.

Im Job empfiehlt es sich, eine große Handtasche oder einen Timer zu wählen. Damit signalisiert man: Ich bin geschäftlich unterwegs. Wer mit dem kleinen «Zickentäschchen» zum Meeting komme, riskiere vor allem von männlichen Geschäftspartnern auf die Rolle der «Madame» reduziert zu werden.

Die Handtasche sendet also Signale - auch wenn sie nicht immer so ausgefeilt sind wie der Taschen-Geheimcode von Königin Elisabeth: Die Tasche mit beiden Händen vor die Brust halten bedeutet hier zum Beispiel «Schafft mir diesen Typ vom Hals».

Bei weniger hochherrschaftlichen Frauen ist die Tasche vor allem ein modisches Bekenntnis, und man sollte ihr genauso viel Aufmerksamkeit zuwenden wie der Wahl der Kleidung oder anderer Accessoires. Es ist nach wie vor schön, wenn Tasche und Schuhe den gleichen Ton haben. Eine unpassende Handtasche kann das ganze Outfit zerstören. Die Queen würde in einem solchen Fall ihre Tasche auf den Boden stellen und dem Hofstaat damit signalisieren «Holt mich hier raus!

Die Kunst sich perfekt zu kleiden

Wann passen Nadelstreifen, wann Strickjacken?

Schlimmer hätte es nicht kommen können. Ausgerechnet in der Toilette begegnet der Bewerber dem Personalchef, mit dem er zwei Minuten später ein Vorstellungsgespräch führen soll. "Was sage ich, wie reagiere ich richtig?", rauscht es durch den Kopf des Kandidaten. Wissen Sie, was Sie in dieser Situation tun sollten, um den besten Eindruck zu hinterlassen?

Oder: Ihr Verhandlungspartner stürmt mit ausladenden Schritten ins Zimmer. Können Sie bereits an der Schrittlänge erkennen, welche Argumentationstechniken bei ihm funktionieren und welche nicht? Oder: Der neue Kollege begrüßt Sie an seinem ersten Arbeitstag mit einer dünnen College-Mappe unterm Arm. Was sagt Ihnen das?

Ein Potpourri aus versteckten Signalen bestimmt unseren ersten Eindruck. Wenn sich zwei Menschen das erste Mal begegnen, nehmen wir intuitiv Körperhaltung, Kleidung, Mimik und Umgangsformen auf - unbewusst und unbarmherzig. Das Programm in unserem Gehirn läuft blitzschnell ab. Rund 30 Sekunden reichen aus, dann steht das Urteil fest. Wie auf einer Checkliste vergleichen wir Aussehen und Auftritt mit uns
bekannten Personen und stecken das Gegenüber in eine Schublade.

Und dort bleibt es meist. Schuld daran ist der Ankereffekt, wie Fachleute das Phänomen nennen. Im Laufe des Kennenlernens suchen wir selektiv ausschließlich nach den Informationen, die in unser zurechtgelegtes Schema passen. Alle anderen Signale beachten wir einfach nicht. Die Folge: Der erste Eindruck bleibt hängen.

„Alles schien zu stimmen - Eine brünette Mittdreißigerin im anthrazitfarbenen Kostüm und mit dezentem Make-up grüßte höflich - anscheinend die perfekte Empfangsdame. Doch als sie aufstand, um den Gast zum Gesprächspartner zu führen, traf ihn der Schlag. Die Dame schlappte in weißen Birkenstocks vor ihm her. Sie hatte von da an jegliche Kompetenz verspielt.“

Nach unten hin offenbaren Menschen meist ihr wahres Ich. Die Garderobe entscheidet in Sekundenschnelle über Sympathie oder Antipathie.

Eine Repräsentativumfrage des Berliner Meinungsforschungsinstituts Forsa zeigt, dass 43 Prozent aller Deutschen beim ersten Kennenlernen zuerst auf die Kleidung ihres Gegenübers achten. Schöne und gut gekleidete Menschen bringen es auch im Beruf weiter. Die Herausforderung morgens vor dem Spiegel lautet: Was heißt gut gekleidet?

Jede Branche hat ihre eigene Antwort darauf. Ein Allzweck-Outfit für den Job gibt es nicht. Wenn mann einen Geschäftsführer für eine ausgeflippte High-Tech-Bude sucht, passt ein Typ in Nadelstreifen nicht ins Bild. Andererseits würde der Headhunter keinen Banker einstellen, der in Jeans und Jackett zum Interview auftaucht - auch nicht, wenn er fachlich top ist.

Der strenge Dresscode bietet trotzdem Spielraum. In kreativen Jobs dürfen Frauen auch mal in einer Strickjacke mit Kunstpelzkragen oder Männer in Cargo-Hosen erscheinen. In Bankenkreisen lässt selbst der klassische anthrazitfarbene Anzug oder das dunkelblaue Kostüm Freiraum für die persönliche Note. Es sind die Feinheiten, wie Manschettenknöpfe, Nobeluhren oder modische Schnitte.

Die Faustregel lautet: Learning by looking. Wer sich Kollegen oder Geschäftspartner genau anschaut, weiß, wohin er im Kleiderschrank greifen soll. Doch Vorsicht! Abkupfern ist nicht angesagt. Ob die Kleidung Verkleidung ist, durchschaut der Gesprächspartner intuitiv. Wir schauen mehr mit dem Bauch als mit den Augen. Eine wichtige Rolle spielt die richtige Wahl der Farben. Der Farbton muss zum Typ passen, sonst lenkt er ab oder betont das Falsche: unreine Haut etwa, Falten oder Fettpölsterchen. Manchmal können es auch einfach nur die Haare sein. Jahrelang trug die blasse Rothaarige nur Schwarz. Der Effekt: "Keiner erinnerte sich an meine Worte, aber alle an meine Löwenmähne." Das änderte sich, als ein Farbberater sie als Herbsttyp entlarvte. Dem schmeicheln Grün- und Brauntöne. "Die schwarzen Klamotten landeten in der Altkleidersammlung."

Dort gehört alles hin, was nicht perfekt sitzt. Zu lange Ärmel lassen den Träger linkisch aussehen. Spannen Kostümjacke oder Sakko, tippt der Betrachter auf Figurprobleme. Schiebt sich das Jackett beim Sitzen hoch, entsteht der Buckeleffekt. Beim Material schaffen Naturstoffe wie Wolle oder Leinen ein besseres Wohlgefühl als Kunstfasern - besonders auf Terminen, bei denen der Träger ins Schwitzen kommt.

Bloß kein Kunststoff, so lautet auch die Devise bei Schuhen. Eine Plage ist der Stilbruch Designeranzug plus Synthetikschuhe. Generell gilt: Schuhe dürfen nie heller sein als die Kleidung.

Das Gleiche gilt für Herrensocken. Hände weg von Mustern und knalligen Farben. Und: Die nackte Wade darf auch beim Übereinanderschlagen der Beine nicht zum Vorschein kommen.

Regeln und Tipps für das richtige Outfit:

* Ranghöhere sollten stets einen Tick besser gekleidet sein als Mitarbeiter einer niedrigeren Ebene.
* Inspizieren Sie Ihre Kleidung vor einem wichtigen Meeting bei Tageslicht nach Flecken.
* Im Stehen sollten Jackett- oder Kostümjacke zugeknöpft sein.
* BeiAccessoires gilt: Hände weg von Imitationen. Lieber eine Plastikuhr als ein Cartier-Plagiat.
* Das Sakko bleibt immer an - auch wenn der Träger ins Schwitzen kommen sollte.
* Für Frauen gilt: Nicht mehr als fünf Schmuckstücke. Jeder Ring und jeder Ohrring zählt einzeln.
* Mit der Aktentasche demonstrieren Büroarbeiter ihre Position. Dünne College-Mappen aus Leder symbolisieren: Ich habe es nicht nötig, mich mit Papierkram zu belasten. Dicke Aktenkoffer deuten auf Übereifer hin.

Typisch Mann

Männer sind Umsatz schädigend

Auf dem Weg zum gläsernen Kunden hat die Marktforschung mal wieder einen Meilenstein zurück gelegt. Jetzt ist klar: Männer ziehen die Umsätze nach unten. Geht die weibliche Kundin mit Freundin zum Einkauf, bleibt sie doppelt so lange im Laden, als wenn ihr Mann dabei ist. Der zappelt zu viel hin und her. Und lässt der Partnerin keine Ruhe zum Einkauf Tipp der Marktforscher: Männerkabinen mit Theke, TV und Fernsehen. Ein weiteres marktforscherisches Highlight lässt ebenfalls aufhorchen: Männer kaufen zielbewusster als Frauen ein. So tragen sie 65% aller mühsam anprobierten Kleidungsartikel zur Kasse. Die Damen hingegen nur 25%. Die steinzeitliche Erklärung der Markforscher:

Männer wollen ihre Beute schneller erledigen. Das liegt in ihren Genen. Bei den Frauen ist die Erklärung hingegen psychologischer: Sie genießen den Einkaufsbummel als Flucht aus den erdrückenden vier Wänden zu Hause. Fragt sich nur was passiert, wenn die von Trendforschem angekündigten "wilden Amazonen" das Zepter übernehmen. Und die
Männer an den Herd verbannt werden. Geht der neue Mann dann auch zum Shoppen statt ins Stadion? Noch müssen wir darüber spekulieren. Aber es ist sicher: Auch diese Fragestellung wird den Marktforschem eine Studie wert sein...

Was Mann trägt, bestimmen die Frauen

Ohne ihre Frauen trügen die deutschen Männer wenig mehr als des Kaisers neue Kleider: Mehr als die Hälfte der Männer lassen Hemden, Pullover und Strümpfe von ihren Frauen auswählen, und bei der Unterwäsche verlassen sich sogar 58 Prozent der Männer völlig auf den Geschmack ihrer Frauen. Bei den Hosen dagegen beginnen sich die Männer zu emanzipieren: Zwei Drittel verlassen sich hier auf den eigenen Geschmack, und Schuhe kaufen sogar vier Fünftel der Männer ganz allein. Wenn umgekehrt die Männer für ihre Frauen einkaufen, überraschen knapp 20 Prozent ihre Partnerin am ehesten mit Dessous. An den Kauf von Blusen oder Pullovern wagt sich nur jeder sechste Mann.
Für die Studie waren 20.660 Bundesbürger befragt worden.

XL-Mode

Vorzüge betonen statt Rundungen verhüllen

Wer als Frau nur ein paar Kilogramm mehr als üblich auf die Waage brachte, hatte am Kleiderkauf lange Zeit nur wenig Spaß. Entweder waren die Sachen unansehnlich oder es kniff an Busen, Hüfte und Po. Mittlerweile haben viele Hersteller die Frauen jenseits von Größe 40 als Kundengruppe entdeckt - und versorgen sie bis Größe 58 mit deutlich schickeren Sachen als noch vor einigen Jahren.

Nur weil "Frau" Größe 48 trägt, denkt und handelt sie nicht anders als eine Frau mit Größe 36. Der einzige Unterschied ist die Konfektionsgröße. Die Bekleidungsbranche hat sich allerdings lange Jahre nicht konsequent mit diesem Thema beschäftigt. Die großen Größen sind immer nebenbei bedient worden. Erst in den vergangenen Jahren sind die Wünsche der Kundinnen erhört und umgesetzt worden, nicht zuletzt, weil die Hersteller das Potenzial dieses Marktes erkannt haben.

Frauen mit größeren Größen wollen nichts anderes tragen als Frauen mit Größe 36. Der einzige Unterschied zu normalen Kollektionen ist die Passform, die speziell abgestimmt werde etwa auf einen größeren Busen und breitere Hüften. Außerdem sind die Sachen etwas länger geschnitten: Die Problembereiche sollten bedeckt sein.

Man sieht sich Trends an und überlegt dann, was sich auf große Größen übertragen lässt - es muss ja nicht gerade das kurze, enge Bauchfrei-Top sein. Die einzelnen Teile werden dann mit Hilfe von entsprechenden Models an die Bedürfnisse der besonderen Kundengruppe angepasst. An den Models wird immer wieder getestet, was noch geändert werden muss, damit am Ende alles bequem sitzt und dabei gut aussieht.

Außerdem sind nicht alle Materialien automatisch auch für die großen Größen geeignet. Microfaser-Stoffe drücken sich zum Beispiel oft zu sehr an den Körper an. Solche Shirts sollten deshalb besser nur unter einem anderen Kleidungsstück - etwa einem Blazer - getragen werden. Vorsicht angebracht ist außerdem bei zu viel Transparenz, bei Raffungen und bei dicken Strickpullis, die zusätzlich auftragen.

Große Muster finden hingegen großen Zuspruch: Je plakativer der Druck ist, desto besser verkaufen sich die Sachen - die Frauen wollen einfach nicht mehr als graue Maus herumlaufen.

Dementsprechend sind viele Kollektionen gestaltet. Klare Farben sind angesagt.
«Rot, Oliv, Beige», sind Trendfarben. Daneben sind Jeanstöne auch bei den großen Größen sehr gefragt - etwa bei Jeansröcken in längerer Form, bei Jeansjacken oder den so genannten Carmen-Blusen. Denim bleibt laut auch weiterhin aktuell. Zu den klassischen Blautönen komme dann aber zusätzlich Schwarz, das für eine neue Optik sorgen soll.

Abgesehen von bauchfreien Pullovern, von superkurzen Miniröcken und engen Leggings sehen die Experten wenig, was kräftiger gebaute Frauen besser nicht tragen sollten. «Auf keinen Fall aber sollte die Kleidung zu eng sein. Lieber sollten die Sachen eine Nummer größer gekauft werden.

«Die Schnitte sollten nicht zu stark tailliert sein, und auch eine gewisse Länge bei Jacken, Shirts und Blusen ist vorteilhaft. Wichtig sei, dass die Kleidung die Vorteile der Figur wie etwa ein schönes Dekolleté herausstelle: Toll sind hier detailreiche Ausschnittvarianten wie zum Beispiel Perlen, Mäusezähnchen oder Federn.

Es geht nicht darum, die Rundungen irgendwie zu verhüllen. Die Frauen sollten selbstbewusst mit ihrem Körper umgehen und sich darüber klar werden, was ihnen an sich selbst besonders gut gefällt. So hat manche Frau trotz zusätzlicher Kilos sehr schöne Beine, die auf keinen Fall versteckt werden sollten. Jede Frau ist anders - man muss einfach ausprobieren, was einem steht. Dieser Grundsatz gelte für Frauen mit Größe 36 genauso wie für Frauen mit Größe 46.

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